Fortsetzung: Gesundheit und Pflege

Notfall was tun?
 
Die sofortige umsichtige und mit Ruhe durchgeführte erste Hilfe ist bei Mensch sowie Hund oft ausschlaggebend für den
weiteren Verlauf der Erkrankung.
 
Steht der Hund unter Schock z.B.nach einem Autounfall, kann es passieren, daß er Abwehrbewegungen macht oder selbst nach dem eigenen Herrn schnappt und die Absicht der Hilfeleistung nicht erkennt.
In diesem Fall ist es angebracht, mittels Tuch oder Mullbinden aus dem Verbandskasten einen Behelfsmaulkorb zu anzufertigen. Der Kopf wird vom Nacken her fixiert, ein Band über den Fang gelegt, unter dem Kiefer verknotet und hinter den Behängen mit einer Schleife fest zugebunden.

Maulkorb nicht anwenden bei Verletzungen im Fang- und Rachenbereich und bei Erbrechen, hier droht Aspirations- und Erstickungsgefahr. Bei Herz-, Kreislauferkrankungen, Hitzeschlag und starkem Hecheln sollte man von der Anwendung des Maulkorbes auch Abstand nehmen.
Wichtig ist die Beruhigung des Hundes.
Gutes Zureden, vorsichtige Kontaktaufnahme, das Vermeiden neuer Schmerzen, sind die Vorraussetzungen, daß der Hund zur Ruhe kommt, sich aus der Schockwirkung löst und die Hilfsbereitschaft erkennt.
Bei schweren Verletzungen ist der Tierarzt abzuwarten,
um dem Unglücksraben weitere unnötige Schmerzen zu ersparen.
 
Der Transport eines verunglückten Hundes erfolgt am schonendsten mittels einer Decke, auf die er abgelegt wird. Zwei Personen fassen an die Decke an den vier Zipfeln an und tragen ihn wie in einer Hängematte.

Die verletzten Gliedmassen werden auf diese Weise langsam und gleitend, nicht ruckartig bewegt, so daß plötzlicher Schmerz nicht zu unkontrollerten Bewegungen führen kann. Fremdkörper, z.B. eingetretene Glasscherben, in der Wunde belassen, da man durch das Herausziehen eine starke Blutung auslösen kann.
 
Die Wunde locker abdecken und Gegenstand vom Tierarzt entfernen lassen.

Nach dem Unfall sollte man sich Harn- und Kotabsatz genau ansehen und dem Tierarzt Veränderungen mitteilen.
Es wird die Diagnosefindung erleichtern( z.B. blutiger, dunkler Urin, schwarzer, blutiger Stuhl).

Auf dem Transport ist für bequeme Lagerung Sorge zu tragen.

Verletzte Gliedmaßen abpolstern, auf die gesunde Seite legen.
Der Besitzer sollte beim Hund sitzen und beruhigend auf ihn einwirken.

Verbrennungen

Quelle: Unser Dackel~unsere Freunde,Heft 132/2.Jahrgang 1997,S.52 von Herrn Erich Langmeier


Sofortige Kühlung mit kaltem Leitungswasser (20 Grad Celsius plus).
Das Wasser muß unbedingt sauber sein, damit keine Keime in die Brandwunde eingeschleppt werden. Stehende Gewässer, verschmutzte Brunnen und Bächen sind ungeeignet. Am besten ist kaltes Wasser in der Badewanne oder einem Eimer. das kalte Wasser so lang einwirken lassen, bis die Schmerzen nachlassen, meist 15 -20 Min.
Bei großflächigen Verbrennungen den Körper- nicht die verbrannten Stellen- abdecken, um eine Unterkühlung zu vermeiden.
Weiterbehandlung durch den Tierarzt ist auf jedem Fall erforderlich.
Kein Verbinden oder Abdecken von verbrannten Stellen!
Auf keinen Fall dürfen Brandwunden mit Öl, Fett, Brandsalbe oder Mehl bestrichen werden oder gar mit Brandbinden umwickelt werden.
Alle diese sogenannten Volksmittel verhindern den Sauerstoffzutritt zu der geschädigten Haut und verschlimmern dadurch die Verbrennung, außerdem sind diese Mittel nicht Keimfrei. Brandblasen dürfen niemals geöffnet werden!
 

Herzstillstand

Quelle:Unsere Dackel~unsere Freunde,Heft 132/2. Jahrgang 1997, S. 53 von Herrn Erich Langmeier


Bei ruhenden Hunden ist der unregelmäßige Herzschlag normal.
Bei großen Hunden schlägt das Herz 70- 100 mal in der Minute,
bei kleinen 100 bis 130 mal;
bei jungen Hunden ist Atmung und Pulsschlag noch zusätzlich erhöht.
Der Herzschlag is tmit der flachen an die linke Brustwand gelegte Hand und in der Mitte der Innenfläche des Oberschenkels zu fühlen. Bei Herzstillstand- keine fühlbaren Pulse, kein fühlbarer Herzschlag-den Hund rütteln, schütteln, auf die rechte Seite legen, der Brustkorb wird in Höhe des Herzens mit aufeinandergelegten Händen , wobei sich der Daumenballen in Herzhöhe befindet, komprimiert. Dies bei großen Hunden.
Bei kleinen kann man die Herzmassage mittels Zeige- und Mittelfinger durchführen.
Bitte nicht mit Gewalt, da sonst Rippenbrüche drohen.
Es muß mit Nachdruck darauf hingewiesen werden, daß durch die Kompression der Brusthöhle bei der Herzmassage keine künstliche Beatmung der Lunge erfolgt.
Ohne genügende Beatmung kann eine Herzmassage nicht erfolgreich sein.
Es muß also gleichzeitig eine ausreichnde Beatmung in Form der Technik Mund-zu-Nase eingeleitet werden.
Steht ein zweiter Helfer zur Verfügung, so führt der eine die Herzmassage und der zweite die Atemspende durch, ohne daß es hierbei zu einer Unterbrechnung des Atemrhythmus oder der Herzmassage kommt.
Hierbei hat sich der Zyklus 5 : 1 bewährt,
d.h. auf Herzkompressionen erfolgt ein Atemstoß.
Man beginnt mit dem Atemstoß.
Ist nur ein Helfer vorhanden, so muß er abwechselnd die Atemspende und die Herzmassage durchführen.
Hier hat sich der Zyklus 15 : 2 bewährt,
d.h. auf 15 Kompressionen in 15 Sek. erfolgen 2 Atemstöße.
Dies wird so lange fortgeführt, bis der Herzschlag und Atmung wieder selbstständig einsetzen bze. der Tierazt kommt.
 


Hitzeschlag


Quelle: Unser Dackel~unsereFreunde,Heft 132,2.Jahrgang 1997, S.52-53 von Herrn Erich Langmeier


Hunde eingesperrt im Auto, an Stränden ohne Schatten etc.

Den Hund sofort an einen kühlen Ort bringen.

Falls Häuser in der Nähe sind, in den Keller und mit feucht-kalten Tüchern die Extremitäten(Wadenwickel),Lefzen und Fang kühlen. Der Körper des Hundes sollte mit feuchten Tüchern abgerieben und auf den Nackenbereich ein Eisbeutel gelegt werden.
Für Luftzufuhr sorgen und evtl. künstlich beatmen. Sollte erste Hilfe außerhalb der Ortschaften nötig und ein Bach, Tümpel, Pfütze oder Autokühlwasser nicht in der Nähe sein, dann müßte man, um das Leben des Hundes zu retten, den eigenen Urin verwenden um damit das Fell des Hundes zu benetzen(Verdunstungskälte).

Um Atemerleichterung zu verschaffen, gibt man einige Tropfen Essig oder Zitrone auf die Zunge. Bringt dies keine Erleichterung, ist die Zunge vorzuziehen.
Die Krankheitszeichenstellen sich ofte erst nach Stunden ein.
Das fällt dann urplötzlich um, ist bewußtlos und leidet unter gräßlich anzusehender Atemnot und schnellem Puls.
Blau angelaufen sind Zunge und Mundschleimhäute und neben hohem Fieber und starren Augen kann starkes Erbrechen als Ausdruck der Gehirnreißung das Bild vervollständigen.

Schwindelerscheinungen und der Cri encephaliqe, dem plötzlichen Aufschreien des Hundes infolge Schwellungen der Gehirnhäute, sind ebenfalls mögliche Folgeerscheinungen des Hitzschlages. Das Tier ist in jedem Fall nach ausreichender Abkühlung zum Tierarzt zu bringen.
 

Quelle: Unser Dackel~unsere Freunde,Heft 134/ 4 Jahrgang 1997, Seite 57 von Herrn Erich Langmeier
 
Die Kastration

Nach bestehenden Statistiken ist die Kastration in der tierärztlichen Praxis die am häufigsten durchgeführte Operation. Wohl über keinen anderen chirurgischen Eingriff wird so viel diskutiert. Dabei läßt man sich eher vom Gefühl als von Fakten leiten. Besonders von männlichen Rüdenbesitzern hört man oftmals ganz abenteuerliche Argumentationen. Den Herrn, der dachte sein stattlicher Rottweiler würde nach der Kastration mit hohem, dünnem Fiselstimmchen das Haus verteidigen, kann ich beruhigen, die Kastration hat keine Einfluß auf die Stimmlage der Hunde.
Ein jeder chirurgischer Eingriff muß das Ziel haben, eine Heilung zu erreichen,
deshalb ist die Kastration von Tierschützern sehr umstritten.
Nicht bedacht wird dabei, welch psychische Leiden eine eingesperrte läufige Hündin oder ein eingesperrter liebeskranker Rüde durchmacht.
Das Unterdrücken des Sexualtriebes ist nun eben mal wider der Natur.
Der medizinische Laie ist oftmals der Ansicht, daß Hundedamen sterilisiert und Rüden kastriert werden. Dies ist falsch, denn hierbei handelt es sich um verschiedene Arten der Operation.
Bei der Sterilisation werden bei der Hündin die Eileiter unterbunden. Somit ist der Abstieg von Eizellen in die Gebärmutter nicht mehr möglich. Die Hündin ist unfruchtbar.
Beim Rüden bei der Sterilisation die Samenleiter unterbunden, somit wird eine Abgabe von Sperma zur Befruchtung unmöglich. Der Rüde ist somit steril.
 Weil bei einer Sterilisation der Geschlechtszyklus und die hiermit verbundenen Aktivitäten vollständig erhalten bleiben, da sie aus den Hormonen der Geschlechtsdrüsen (Hoden, Eierstöcke) gesteuert werden, wird in der tierärztlichen Praxis fast ausschließlich die Kastration durchgeführt.
Hierbei werden beim weiblichen Hund die Eierstöcke und meist auch die Gebärmutter- zur gleichzeitigen Verhinderung von Uterusentzündungen- und Eiterungen entfernt, beim Rüden die Hoden ausgeschält. Der Rüde kann somit kein Sperma mehr produzieren und die Hündin wird nicht mehr läufig oder scheinträchtig, da durch den Eingriff der gesamte Geschlechtszyklus unterbunden wird und somit auch sämtlichen sexuellen Aktivitäten.
Deshalb sind kastrierte Hunde ausgeglichener, ruhiger, verträglicher mit gleichgeschlechtlichen Hunden.
Auch erreicht man eine Verbesserung beim dauernden Aufreiten beim Streunen und ständigen Herumurinieren. Nur teilweise Erfolg hat man bei Aggressionen, nicht beeinflußt wird der Angstbeißer.
Wie bei allen Operationen können auch bei der Kastration Komplikationen zum Beispiel Narkosezwischenfälle, Blutungen, Narbenbrüche, Serome, Fistelbildungen der Nähte, Verwachsungen und Infektionen auftreten.
Allerdings gibt es viele medizinische Indikationen für eine Kastration:
- Overialzysten,
- Hormonbedingter Haarausfall,
- Hormonbedingte Hauterkrankungen,
- Tumore,
- Vorfall der Vagina,
- Prostataerkrankungen,
- Zuckerkrankheit,
- Wiederholt auftretende Wucherungen der Zirkumanaldrüse,
- Entartung der Sitzschwiele an der Rute,

 Verletzungen,

Häufige Scheinträchtigkeit mit Entzündungen der Milchleiste oder der Gebärmutter.
Das Risiko einer Milchleistentumorerkrankung sinkt auf 15 %, läßt man die Hündin vor der ersten Läufigkeit kastrieren. Sind zu einem späteren Zeitpunkt schon Gesäugetumore vorhanden, tritt dieser Effekt nicht mehr ein.
Kastrationsnebenwirkungen
Die häufigste unerwünschte Spätfolge (5 - 20 %) bei kastrierten Hündinnen innerhalb der ersten 2 Jahre nach der Operation ist das Harnträufeln. Bis zu 20 % sind große Rassen davon betroffen.
Gelegentlich kommt es zu Verhaltensstörungen wie Inaktivität und erhöhten Futterverzehr mit gleichzeitiger besserer Futterverwertung. Dem kann man jedoch mit vermindertem Futterangebot entgegenwirken.
Besonders bei langhaarigen Hunden kann es in seltenen Fällen zu Fellveränderungen, wie Haarausfall oder Alopezien kommen. Diese sind meist nur vorübergehend und können mit Östrogenen gut behandelt werden.
 

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